Der Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS), der vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) als OPS Klassifikation (auch OPS-Katalog) herausgegeben wird, ist die amtliche Klassifikation für die Kodierung von medizinischen Operationen und Prozeduren im stationären und eingeschränkt im ambulanten Bereich. Die Schlüssel liefern Daten zur Qualitätssicherung, Transparenz, Epidemiologie, medizinischen Dokumentation sowie für statistische und wissenschaftliche Zwecke. Seit der Einführung des G-DRG Systems im Jahr 2004, sind der Verschlüsselung durch den Einsatz der Codes (Schlüssel) auch ökonomische Aspekte zuteil geworden. Die Kodierungsmöglichkeit über einen solchen Schlüssel dient seither auch der Sicherstellung eines kostendeckenden Einsatzes von signifikanten Prozeduren in der deutschen stationären Gesundheitsversorgung (auch für ambulant durchgeführte Prozeduren im Krankenhaus). Es ergeben sich daher vier wesentliche Gründe, weshalb in den Kliniken kodiert wird:

  • Zweckorientierte Standardisierung
    • Einheitliche Terminologie für die Kommunikation auf den unterschiedlichsten Ebenen
  • Patientendokumentation und Leistungsabrechnung
    • OPS Kodierungen als Grundlage für die Leistungsabrechnung im stationären und ambulanten (ambulantes Operieren) Bereich
    • Dokumentation aller durchgeführten Operationen und Prozeduren innerhalb eines Behandlungsfalls
  • Statistik, Qualitätssicherung und Transparenz
    • Messbarkeit der Leistungen eines Krankenhauses durch Angabe der Kodierungen in den Qualitätsberichten
  • Kostendarstellung
    • Verknüpfung einer OPS Kodierung mit einem Zusatzentgelt für die Vergütung hochpreisiger Verfahren
    • Ermittlung von Fallzahlen und daraus generierten Kostendaten

 

Die Weiterentwicklung obliegt einem sehr aufwendigen Prozess und involviert zahlreiche Aspekte sowie Akteure (mehr Lesen zur Beantragung und Weiterentwicklung).

 

 

Grundprinzipien

 

Die Benutzung der OPS Klassifikation und richtigen Kodierungen unterliegt zwei wesentlichen Grundprinzipien:

  1. „Alle signifikanten Prozeduren, die vom Zeitpunkt der Aufnahme eines Patienten in ein Krankenhaus, bis zum Zeitpunkt der Entlassung vorgenommen wurden und im OPS abbildbar sind, sind zu kodieren.“ Deutsche Kodierrichtlinien (2018) – P001f
  2. Jeder durchgeführte Eingriff sollte möglichst durch die Verwendung eines einzigen Kodes (monokausal) abgebildet werden.

 

 

Geschichtlicher Hintergrund zum OPS Schlüssel

 

Die erste Version wurde 1994 als OPS-301 Version 1.0 vom DIMDI im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) veröffentlicht und in der stationären Versorgung ab 1995 angewendet. Sie diente zunächst dazu, Fallpauschalen und Sonderentgelte in der stationären Versorgung abbilden zu können. Auch der erste Grundstein zur Verbesserung der Transparenz von innerklinisch (also stationär) erbrachten Leistungen wurde durch den OPS-Katalog gelegt. Er kombinierte erstmals die Abrechnung nach der alten Regelung der Sonderentgelte sowie Fallpauschalen mit der Abrechnung nach dem neu eingeführten G-DRG System.

Bis zum Jahr 2003 wurde der OPS-Katalog ausschließlich zur Verschlüsselung operativer Eingriffe angewendet. Mitte des Jahres wurde er durch einen nichtamtlichen Erweiterungskatalog ergänzt, welcher 2009 wieder aufgelöst wurde.

Die heutige Version wurde über die Jahre stetig weiterentwickelt. Aktuell besteht der Katalog aus zwei Teilen:

  • Systematisches Verzeichnis (Systematik)
    • hierarchisch angeordnete Auflistung der vorhandenen Kodierungen und ergänzende Informationen
  • Alphabetisches Verzeichnis (Alphabet)
    • umfassende Sammlung der verschlüsselten Prozeduren in alphabetischer Reihenfolge

 

 

Aufbau der OPS Klassifikation und einzelnen Kodierung

Die Verzeichnisse

Systematisches Verzeichnis (Systematik)

 

Die Systematik ist unterteilt in sechs Kapitel, die die hierarchisch geordnete Liste der Kodes enthalten.

Kapitel 1 → 1-10 … 1-99 → Diagnostische Maßnahmen

Kapitel 3 → 3-03 … 3-99 → Bildgebende Diagnostik

Kapitel 5 → 5-01 … 5-99 → Operationen

Kapitel 6 → 6-00 … 6-00 → Medikamente

Kapitel 8 → 8-01 … 8-99 → Nichtoperative therapeutische Maßnahmen

Kapitel 9 → 9-20 … 9-99 → Ergänzende Maßnahmen

Aus historischen Gründen sind die Kapitelnummern lückenhaft.

 

 

OPS - Klassifikation aufgeteilt nach Kapiteln

Kapitel der OPS Klassifikation

 

 

Alphabetisches Verzeichnis (Alphabet)

 

Das Alphabet enthält die alphabetische Liste der Operationen und Prozeduren. Es sind nahezu alle Operationen und Prozeduren der Systematik darin zu finden. Ausgenommen sind Codes, deren Klassentexte unspezifische Angaben enthalten. Zusätzlich gibt es klinisch gebräuchliche Synonyme der über 34.000 Prozeduren Bezeichnungen, die nicht in der Systematik enthalten sind.

 

 

(Alpha)Numerischer Aufbau der Verschlüsselung

Aufbau

 

Eine Prozedurenverschlüsselung kann sowohl Ziffern, als auch Buchstaben enthalten. Sie beginnt aber stets mit einer Ziffer, die aus der Zuordnung zu einem der einem der sechs Kapitel resultiert.

Innerhalb der einzelnen Kapitel ist eine Struktur vorhanden, um die Fachgebiete in Gruppen, Kategorien und Subkategorien zu unterteilen:

  1. Kapitel
  2. Gruppe / Bereich
  3. Kategorie / 3-Steller
  4. Subkategorie / 4-Steller
  5. Subkategorie / 5-Steller
  6. Subkategorie / 6-Steller

OPS Kodierungen sind maximal sechsstellig und können aber der vierten Stelle sowohl Ziffern als auch (kleine) Buchstaben enthalten. Sie beginnen stets mit einer Ziffer, gefolgt von einem Bindestrich und weiteren drei bis fünf Stellen.

 

 

Drei-, Vier-, Fünf- und Sechssteller

 

Als zentrales Element dient der Dreisteller, auch als dreistellige Kategorie bezeichnet. Sie dient als Überschrift und darf nicht zur Kodierung verwendet werden. Weiterhin ist sie ein wesentliches Kriterium für die Einordnung/Auswahl eines, für das verwendete Verfahren, relevanten OPS Kodes. Jeder Kategorie sind zum Teil diverse Subkategorien untergeordnet (Vier-, Fünf- oder Sechssteller), die ein differenziertes Kodieren ermöglichen. Kann eine Kategorie nicht weiter unterteilt werden bzw. existiert keine weitere Unterteilung eines Kodes, wird dies als „endständig“ oder terminal bezeichnet. Zum Kodieren in den Kliniken dürfen ausschließlich terminale Kodes verwendet werden.

 

 

OPS - Aufbau und Erklärung

Aufbau der OPS Verschlüsselung

 

 

Klassenattribute und weitere Elemente eines Kodes

 

Jede Kodierung enthält diverse Zusatzinformationen, die die korrekte Kodierung eines Verfahrens in den Kliniken ermöglicht. Dies können Hinweistexte, Ein- und Ausschlussbemerkungen aber auch Zusatzkennzeichnungen für die Lokalisation einer Körperregion sein.

 

 

Einschlussbemerkungen/Inklusiva → „Inkl.“

 

Obwohl Kodierungen möglichst eindeutig formuliert sind, können sie nähere Angaben zum Inhalt des Kodes oder Beispiele zu Sachverhalten enthalten. Diese Informationen sind in den Inklusiva-texten zu finden und erleichtern die konkrete Kodierung einer Prozedur.

 

 

Ausschlussbemerkungen/Exklusiva → „Exkl.“

 

Maßnahmen, die der ausgewählten Kodierung nicht zuzuordnen oder explizit davon ausgeschlossen sind, werden in den Exklusiva-Texten aufgeführt. Diese Texte enthalten, sofern vorhanden, die korrekte Kodierung für diejenigen Maßnahmen, die ausgeschlossen wurden.

 

 

Hinweise → „Hinw.“

 

Hinweistexte führen Informationen zur Anwendung der ausgewählten Kodierung auf:

  • Verwendung des Kodes
  • Komponenten eines komplexen Eingriffs
  • ergänzende Angaben zum Eingriff
  • Zugang für einen Eingriff
  • zusätzliche Kodierhinweise

Die Klassenattribute „Inklusiva“ und „Exklusiva“ sowie die Hinweise gelten stets für alle ihnen nachgeordneten Hierarchieebenen. Ist eine Information demnach einem Dreisteller zugeordnet, gilt diese ebenfalls für die untergeordneten Vier-, Fünf- und Sechssteller.

 

 

Und folgende → „ff.“

 

Wird auf eine gesamte Kategorie oder Subkategorie verwiesen, werden die entsprechenden Kodierungen nicht alle aufgeführt, sondern durch ein „ff.“ abgekürzt. Dies bedeutet, dass alle nachfolgenden Kodierungen eingeschlossen werden.

 

 

Doppelpfeile → „↔“

 

Sind Doppelpfeile bei einer Kodierung zu finden, ist ein Zusatzkennzeichen für die Seitigkeit bei Maßnahmen bei paarigen Organen (z.B. Beine) obligatorisch:

  • R = Rechts
  • L = Links
  • B = Beidseitig

 

 

Doppelsterne → „**“

 

Fünfsteller, die anhand einer Liste in diverse Sechssteller unterteilt sind, werden mit einem Doppelstern gekennzeichnet.

 

 

Runde Klammern → „( )“

 

Sind optionale Bestandteile von Bezeichnungen einer Maßnahme vorhanden, können sie in runden Klammern dargestellt werden. Sie haben jedoch keinen Einfluss auf die Kodierung.

 

 

Eckige Klammern → „[ ]“

 

Liegen Synonyme oder andere Schreibweisen für eine Kodierung vor, können sie in eckigen Klammern aufgeführt werden.

 

 

Prozeduren, die normalerweise nicht verschlüsselt werden

 

Gemäß der Deutschen Kodierrichtlinien (DKR) – P014o gibt es Prozeduren, die routinemäßig nicht verschlüsselt werden, da sich der Aufwand der Anwendung in der Diagnose oder in den anderen erbrachten Prozeduren widerspiegelt. Daher wurden diese Prozeduren nicht in die OPS Klassifikation aufgenommen. Folgende Prozeduren werden nicht verschlüsselt (Stand: 2018):

 

 

Prozeduren - nicht mit OPS verschlüsselbar

Prozeduren, die gemäß DKR nicht verschlüsselt werden

 

Auflistung der nicht-verschlüsselbaren Prozeduren:

  • Gipsverbände mit Ausnahme aufwändiger Gipsverbände (8-310)
  • Verbände, außer bei großflächigen und schwerwiegenden Hauterkrankungen (8-191)
  • Kardioplegie
  • Kardiokotographie (CTG)
  • Medikamentöse Therapie mit folgenden Ausnahmen:
    • bei Neugeborenen
    • nicht-antibiotische Chemotherapie
    • systemische Thrombolyse
    • Immunglobulingabe
    • Gabe von Gerinnungsfaktoren
    • Andere Immuntherapie (8-547)
    • antiretrovirale Therapie
    • Medikamente aus 6-00
  • Ruhe-EKG
  • Langzeit-EKG
  • Belastungs-EKG
  • 24-Stunden-Blutdruckmessung
  • Legen einer Magensonde
  • Legen eines transurethralen Blasenkatheters
  • Subkutane Medikamentengabe, z.B. Heparin
  • Blutentnahme
  • Aufnahme- und Kontrolluntersuchung
  • Visite
  • Konsiliaruntersuchung
  • Konventionelle Röntgenuntersuchungen
  • Lungenfunktionstest mit Ausnahme von pneumologischen Funktionsuntersuchungen (1-71)
  • Blutgasanalyse in Ruhe
  • Atemgasanalyse
  • Sonographien mit Ausnahme der Endosonographie und der komplexen differenzialdiagnostischen Sonographie mit digitaler Bild- und Videodokumentation

 

 

Anzahl der OPS Verschlüsselungen im Jahresverlauf

 

Jahresverlauf der Anzahl an OPS Verschlüsselungen (Quelle der Daten: DIMDI)

Anzahl der OPS Verschlüsselungen im Jahresverlauf

 


Darstellung der ökonomischen Auswertung

Die Operationen- und Prozedurenschlüssel werden im Bereich „DRG Kataloge“ im Kontext zum G-DRG System Definitionshandbuch, mit den hier zugeordneten DRG Relevanzen sowie mit den DRG Detailinformationen des Fallpauschalenkataloges, wie Relativgewicht, Verweildauergrenzen etc. angezeigt.

Der OPS-Katalog wird zusammen mit den Regelwerken Definitionshandbuch und Fallpauschalenkatalog auf der Online-Plattform reimbursement.info in dem Bereich „DRG Kataloge“ vereint und stellt die Interaktion dieser komplexen Regelwerke zueinander dar. Dies ist ein kostenloser Service des Reimbursement Institute. Die Informationsplattform erleichtert den inhaltlichen Austausch zwischen Leistungserbringern, Fachgesellschaften sowie Herstellern und vereinfacht die tägliche Kodierarbeit. Sie hilft das komplexe System transparenter, überschaubarer und zugänglicher zu machen. Weiterhin trägt dieser Bereich Produktinformationen, welche im Verbund zum Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS) als auch Diagnoseschlüssel (ICD-10) angezeigt werden. Diese sind durch die Leistungserbringer, sprich Krankenhäuser kostenlos einsehbar. Hierfür ist eine Registrierung notwendig, die Nutzung ist in der Basisversion kostenfrei.

 

 

Der OPS Code 8-836.m0 auf reimbursement.INFO mit Informationen zum Markt, Patient, Fallpauschalenzuordnung, NUB Vorlagen und vieles mehr.

Die Darstellung eines Operationen- und Prozedurenschlüssel im Detail auf reimbursement.INFO.

 


 

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